Pflege 4.0 – Erfolgsfaktoren für innovative Technologien in der Pflege | Teil 1

„Es genügt eben nicht, dass Technik gut funktioniert. Sie muß auch in die Welt passen.“

Es steckt nicht nur eine allgemeingültige Wahrheit in diesem Zitat von Gero von Randow, sondern passt auch sehr genau zu der größten Berufsgruppe des Gesundheitswesens – der professionellen Pflege. Denn die Pflegefachkräfte sind heute häufig im Privatem, z.B. mit Smartphones, besser digitalisiert, als in ihrem beruflichen Umfeld.
Aber woran liegt dies?
Es gibt doch heute schon viele, hilfreiche Technologien. Passen diese nicht in die Welt der professionellen Pflege?
Und welche Besonderheiten muss man über die berufliche Pflege kennen, um innovative Technologie erfolgreich in die Arbeitsprozesse der Pflegefachkräfte zu integrieren?
Dieser Artikel soll darauf Antworten geben, sowie unser Verständnis von Pflege 4.0 aufzeigen und dies mit einigen Beispielen aus unserer Praxis veranschaulichen.

Berufliche Pflege – die (un-)bekannte, größte Berufsgruppe in Gesundheitswesen

pflegeBeim Thema Pflege 4.0 sollte man zunächst die dahinterstehende Berufsgruppe der professionellen Pflege genauer kennenlernen. Leider führt der Gedanke an Krankenschwestern und Krankenpfleger sehr oft zu durch die Medien geprägten Bildern der Pflege. Aber Schwester Stefanie, Nicola oder Pfleger Micha haben nur wenig mit der realen Welt der beruflichen Pflege zu tun. Die Aufgaben der Pflegefachkräfte sind viel komplexer und daher finden sich auch vielfältige Definitionen zu diesem Thema. Ein Beispiel wäre: „Professionelle Pflege fördert und erhält Gesundheit, beugt gesundheitlichen Schäden vor, und unterstützt Menschen in der Behandlung und im Umgang mit Auswirkungen von Krankheiten und deren Therapien.[1]“.

Noch interessanter ist jedoch die Sicht der Pflege- und Arbeitswissenschaftler auf die berufliche Pflege. Sie definieren die berufliche Pflege als eine im Kern hochgradige, situations- und kontextgebundene Beziehungsarbeit. Dabei sind für die meisten Pflegefachkräfte rationale Zahlen, Daten und Fakten eher zweitrangig. Die Pflegefachkräfte haben in den letzten Jahrhunderten ihre Expertise für pflegerische Entscheidungen und Lösungen, vielmehr aus der ganzheitlichen Betrachtung und Bewertung der jeweiligen, individuellen Pflegesituation verstanden. [Vgl. 2] Die Arbeit am Patienten ist das Wichtigste für die Pflegefachkräfte. Und dies erklärt auch die oft zitierte technologie-kritische Haltung der Pflege. Hat sie doch in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass ihre Präsenzzeit am Patienten immer mehr zu Gunsten einer zentralen Dokumentation am Computer im Stationszimmer abgenommen hat. Und diese Dokumentationsaufgaben waren zudem oft noch vermeintlich „pflegefremd“ für die Mediziner oder Abrechnung durchzuführen.

Das Selbstverständnis der Pflege als Arbeit am Patienten muss unbedingt als ein Faktor für einen erfolgreichen Einsatz von Technologien in der Pflege berücksichtigt werden.

Pflege 4.0 – Lieber satt und sauber oder gut dokumentiert? | Teil 2

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Heiko Mania

Comment ( 1 )

  • Ja, ich will das NursIT Journal kostenlos per Email erhalten.

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