Recruiting 4.0 – Pflegefachleute aus Fernost [Teil 1]

Der Fachkräftemangel ist schon jetzt einer der größten Herausforderungen für die Pflege. Tausende von Pflegefachleuten werden bei uns in der Zukunft fehlen. Im Gegensatz dazu, gibt es nach Schätzungen der Deutschen Botschaft auf den Philippinen bis zu 300.000 super ausgebildete Pflegefachleute ohne Arbeit. Schon seit Jahren bilden die Philippinen im hohen Maße Fachkräfte für das Ausland aus. Die pflegerische Ausbildung ist dabei als Bachelor- und Masterstudium angelegt und orientiert sich stark an den US-Anforderungen. Die meisten Pflegefachleute gehen nach dem Studium in die USA, nach Arabien und Neuseeland. Nicht zuletzt durch politische Veränderungen und Initiativen, ist auch Deutschland für viele philippinische Pflegefachleute interessant geworden. Bei uns würden sie dringend gebraucht werden. Dabei denke ich jedoch auch an die vielen Recruiting-Aktionen der letzten Jahre in Ost- und Südeuropa mit eher mäßigem Erfolg. Aber auch an die schon einmal in den 70ern erfolgreichen Integrationen aus Asien und Indien.

Daher also stellte sich also die Frage, wie heute ein erfolgreiches, modernes Recruiting- und Einführungskonzept inklusive innovativer Technologien für ausländische Pflegefachleute aussehen muss, um zum einem eine hohe Akzeptanz und schnelle Integration in den deutschen Kliniken und Pflegeeinrichtungen zu erreichen und zum anderen die immigrierenden Fachexperten dauerhaft und nachhaltig dort zu halten.
Natürlich stellte sich auch die Frage, wie ethisch es ist, die Pflegeexperten in ihren Heimatländern abzuwerben und wie dort ihre Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen aussehen.

Ein Schlüssel zur erfolgreichen Integration ist die sichere Beherrschung der deutschen Sprache und des Fachvokabulars.  Dabei bin ich der Überzeugung, dass die Fachleute schon deutschsprechend aus ihren Heimatländern kommen sollten, um sich von vorherein der fachlichen Anpassung widmen zu können. Die meisten Programme jedoch sehen die Sprachqualifikation erst in Deutschland vor und erhöhen somit die Einarbeitungs- und Anerkennungszeit, sowie auch das Risiko das Sprachlevel und damit die Anerkennung überhaupt nicht zu erreichen.

Dabei hatte ich schon länger die Idee, mit moderner IT-Technologie eine solche Qualifizierung in den Herkunftsländern zu unterstützen. Umso begeisterter war ich dann, im letzten Jahr die innovative Agentur Start MediCare kennengelernt zu haben.  Diese qualifiziert in den Heimatländern die Pflegeexperten bis zum deutschen Sprachlevel B2, aber auch pflegefachlich werden die Kollegen auf das deutsche Gesundheitssystem trainiert. Schnell wurde die gemeinsame Idee geboren, durch den Einsatz unserer Pflege-Expertensoftware dieses Training zum einen zu unterstützen, aber auch das Training sehr gezielt auf die jeweilige Gesundheitseinrichtung in Deutschland abzustimmen, in welcher der Bewerber seine neue berufliche Zukunft starten möchte. So kann mit modernen Werkzeugen ein gezieltes, gegenseitiges Erwartungsmanagement unterstützt werden.

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf findet das Konzept sehr spannend. Jedoch wollte sich der Direktor für Patienten- und Pflegemanagement, Joachim Prölß, selbst ein Bild von der Situation der Bewerber in ihrem Heimatland machen.

Und so flogen wir in der letzten Woche nach Manila auf die Philippinen, um uns gemeinsam die Kliniken, Universitäten, Vermittlungsagentur und Sprachschule anzusehen und nicht zuletzt mit den interessierten Pflegefachleuten zu sprechen.

Über unsere Eindrücke in einer anderen Welt, werde ich im zweiten Teil berichten…

Heiko Mania

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