Recruiting 4.0 – Wo die Pflege auf den Philippinen studiert [Teil 3]

Um 8:30 Uhr und bei „frischen“ 22 Grad starten wir unsere Tour nach Gezon, um dort die Far Eastern University | Nicanor Reyes Medical Foundation, nebst angeschlossener Klinik zu besuchen. Wir wollen die Qualität des Pflegestudiums und das Arbeitsumfeld der Pflegestudenten kennenlernen.

Bei dickem Verkehr fahren wir auf die „Kill-Road“, einer 10 spurigen Schnellstraße, auf. Zwischen den Autos bewegen sich Straßenverkäufer, begleitet von einem permanenten Hupkonzert der vielen Fahrzeuge.

An der Far Eastern University werden wir herzlich empfangen und starten unser Meeting im Administrationsgebäude. Der Medical Director , der COO und die Chief Nursing Officer stellen uns ihre Universität und das Studienkonzept vor. Schnell wird klar, die Studenten werden überwiegend für die Arbeit im Ausland ausgebildet.
Die Gastgeber sind sehr interessiert mehr über die deutschen Kliniken zu erfahren. Daher stellen Herr Prölß und Herr van Loo das UKE im Rahmen einer kleinen Präsentation vor.

Danach starten wir die Tour in die Klinik. Uns bietet sich ein ungewöhnliches Bild. Es gibt für zahlende Patienten modernere Ein-Bett-Zimmer und für arme Patienten mehrere große Räume in denen sich 8 Betten inklusive Patienten und deren Familien aufhalten. Immerhin erhalten sie hier für einen Minimalbetrag eine Behandlung nebst Mahlzeit. Diese Räume sind auch nicht klimatisiert und werden lediglich durch Ventilatoren „luftbewegt“. Auf der Kinderstation zeigt sich das gleiche Bild. Und mir wird wieder schlagartig bewusst, wie gut wir es mit unserer medizinischen Versorgung in Deutschland doch haben. Dort liegen Babys, Kinder und Jugendliche krank nebeneinander in offenen Räumen. Privatsphäre gibt es keine.

Die Medizintechnik in der Klinik ist größtenteils hochmodern und beeindruckt in der Vielfalt.

Die Universität befindet sich in einem modernen Neubau und erinnert an Colleges aus den USA. Eigentlich kein Wunder, da hier auf USA-Niveau ausgebildet werden.

Wir besuchen eine Hygiene-Vorlesung und kommen schnell ins Gespräch mit den Studenten. Alle freuen sich hier über die deutsche Stippvisite. Im Mikrobiologie-Labor hantieren die Studenten eifrig an ihren Mikroskopen und nebenan im Skill-Lab ist eine Mini-Klinik nachgestellt. Hier werden Situationen von der Aufnahme, über OP und Intensivstation nachgestellt und geübt.

Beeindruckend waren zudem die Computer-Räume. Hier finden sich ausreichend viele und moderne PCs, die von den Studenten zur Recherche genutzt werden. Auch Pflegeinformatik steht auf dem Lehrplan, allerdings sucht man in der Klinik ein Krankenhausinformationssystem oder gar Pflegesoftware vergebens. Ein lokales RIS in der Radiologie ist jedoch vorhanden und erleichtert dort die Arbeit.

Fast alle Studenten mit denen wir gesprochen haben, planen nach dem Studium ins Ausland zu gehen. Sie möchten dort arbeiten und ihre Familien, die dieses Studium finanzieren mussten, zukünftig finanziell unterstützen.

Das Studium und die Inhalte haben ein hohes Niveau. Eine europäische Klinik samt modernen Equipment wird für diese Kollegen dennoch eine neue, praktische Erfahrung werden.

Aber auch als deutsche Pflegefachleute könnte man hier noch einiges lernen. Hier wird auch ein Schwerpunkt auf die Ausbildung der Community Nurses gelegt. Diese in Deutschland mit den Gemeindeschwestern vergleichbaren Kollegen, sind in den Dörfern und Städten tätig. Oft sind sie die ersten, medizinischen Anlaufstellen und benötigen daher eine breitgefächerte Kompetenz.

Das Sprachniveau ist der Schlüssel für einen erfolgreichen Einsatz der ausländischen Kollegen. Daher schauen wir uns im Teil 4 eine ganz besondere Sprachschule in Gezon an.

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Heiko Mania

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