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Pflege 4.0 – Ein schlechter Pflegeprozess der digitalisiert wird, ist ein schlechter, digitaler Prozess! | Teil 3

prozesse-2Lean Nursing (agile Pflege) bezeichnet die Gesamtheit aller Methoden und Werkzeuge zur effizienten und wertschöpfenden beruflichen Pflege, die auf eine Ableitung und Weiterentwicklung des Lean Managements bzw. – Hospital basieren.

Sie verfolgt das Ziel mit weniger Arbeit mehr kosteneffiziente, standardisierte, hochqualitative, motivierende und patientenorientierte Pflege zu leisten.

Entstanden sind die Methoden des Lean Managements seit Mitte des 20. Jahrhunderts bei dem japanischen Automobilhersteller Toyota, dem es auf diese Weise gelungen ist, stabile Prozessorganisationen zu gestalten, ein hohes Qualitätsniveau zu erreichen und die Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit zu erhöhen. Seit 2001 haben auch zunehmend Krankenhäuser in den USA begonnen, diese Methoden erfolgreich zu übernehmen und als Lean Hospital zu organisieren. Dort liegt der Schwerpunkt auf die Verschlankung und Standardisierung der Klinikprozesse, der Führung vor Ort mit tagesaktuellen Kennzahlen und die permanentente Verbesserung. Allerdings werden viele der unterstützenden Werkzeuge in der analogen Welt (z.B. Whiteboards) abgebildet.

Das NursIT Institute hat die Lean Hospital-Methoden auf die professionelle Pflege als Lean Nursing adaptiert und weiterentwickelt. Zudem werden diese Methoden nachhaltig durch die smarte Pflege-Expertensoftware „CareIT Pro“ unterstützt.

Die Lean Nursing – Methode basiert im Wesentlichen auf die folgenden 7 Prinzipien:

  • Absolute Patientenorientierung
  • Verschwendungsfreie Prozesse
  • Bedarfsgesteuerte Leistungserbringung
  • Führung vor Ort und mit Kennzahlen
  • Aufbau der Kompetenzen der Mitarbeitenden
  • Wertschöpfender Einsatz innovativer Technologien
  • Kontinuierliche Verbesserung

In den nächsten Beiträgen werden wir diese Prinzipien des Lean Nursing näher beschreiben.

Pflege 4.0 – Erfolgsfaktoren für innovative Technologien in der Pflege | Teil 1

Pflege 4.0 – Lieber satt und sauber oder gut dokumentiert? | Teil 2

Pflege 4.0 – Lieber satt und sauber oder gut dokumentiert? | Teil 2

Auch das Arbeitsumfeld der Pflegefachkräfte hat maßgebenden Einfluß auf einen erfolgreichen Technologieeinsatz für die Pflege. Nicht nur das in zwei Drittel der Kliniken keine Funknetzwerke zur Verfügung stehen. Auch die Belastung der Pflegefachkräfte mit Dokumentation, Organisation, Suche und Administration nimmt heute den größten Anteil an der täglichen Arbeit ein. Neuesten Untersuchungen zur Folge, führt die Pflege heute nur noch 20 – 40% ihrer Arbeitszeit Tätigkeiten am Patienten aus. Betrachtet man den Fachkräftemangel von aktuell schon 60.000 Pflegefachkräfte und dass eine Pflegekraft heute durchschnittlich 10 Patienten versorgt, wird klar, dass schon heute nicht genügend Zeit für die Patientenversorgung zur Verfügung steht. Und da wundert es nicht, wenn über die Hälfte der Pflegekräfte auf die Frage, welche Tätigkeiten sie bei Zeitnot auslassen würden, die Erstellung und Aktualisierung der Pflegeplanung angeben. Und so sieht auch die Realität in den meisten Kliniken aus. Eine wirkliche, für alle Patienten individuell erstellte Pflegeplanung findet man kaum irgendwo.

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Dafür finden sich allerdings viele, variable Versorgungsprozesse. So wechselt unter Umständen täglich die zuständige Pflegefachkraft, aber damit auch die Art, wie der Patient versorgt wird. Pfleger Jan unterstützt beim Waschen und Essen, Schwester Eva übernimmt dies komplett und Pflegerin Sophia meint, dass der Patient doch alles allein könnte. Spätestens am 3. Tag merkt dann auch der Patient, dass die versorgenden Pflegefachkräfte ohne Plan arbeiten. Dies senkt die Pflegequalität und Patientensicherheit und ist zudem noch teuer. Angemerkt sei jedoch, dass die meisten Pflegefachkräfte so sicher auch nicht arbeiten möchten, es fehlt aber an den richtigen, unterstützenden Werkzeugen und satt und sauber geht immer vor. Daher stellt die Pflege 4.0 mit den agilen Methoden der Lean-Nursing eine Chance dar, diesen Konflikt wirklich aufzulösen.

Pflege 4.0 – ein Reifegrad digitaler Prozesse und Technologien in der Pflege

Der Begriff der Pflege 4.0 wird derzeit in der „Gesundheitsszene“ im gleichen Atemzug mit der Medizin 4.0 und Gesundheit 4.0 genannt. Einige glauben, dass diese Begriffe an die deutsche Erfindung der Industrie 4.0 angelehnt sind und verstehen darunter das Industriezeitalter der Digitalisierung. In anderen Ländern orientiert man sich dabei aber eher am Web 4.0-Ansatz und leitet davon Parallelen für die Gesundheit 4.0 ab.

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Wir verstehen unter Pflege 4.0 einen Reifegrad für den Einsatz innovativer Technologien zur optimalen Unterstützung schlanker, pflegerischer Prozesse (Lean Nursing). Das NursIT Institute hat dafür die Methoden des Lean Hospital für die Pflege konsequent weitergedacht und digitale Werkzeuge und neue Methoden zur Unterstützung von Lean Nursing entwickelt. Diese Methodik optimiert und unterstützt pflegerische Workflows, durch die Verschlankung zugrunde liegender Prozesse und Bereitstellung unterstützender Softwaretools, wie beispielsweise die Pflege-Expertensoftware CareIT Pro. Die Software unterstützt dabei u.a. die Lean-Prinzipien der verschwendungsfreien Prozesse, Patientenorientierung, der bedarfsorientierten Leistungserbringung, sowie der Führung mittels Kennzahlen.

Im dritten Teil erhalten Sie einen Überblick zur Lean-Nursing-Methode.

Pflege 4.0 – Erfolgsfaktoren für innovative Technologien in der Pflege | Teil 1

Pflege 4.0 – Erfolgsfaktoren für innovative Technologien in der Pflege | Teil 1

„Es genügt eben nicht, dass Technik gut funktioniert. Sie muß auch in die Welt passen.“

Es steckt nicht nur eine allgemeingültige Wahrheit in diesem Zitat von Gero von Randow, sondern passt auch sehr genau zu der größten Berufsgruppe des Gesundheitswesens – der professionellen Pflege. Denn die Pflegefachkräfte sind heute häufig im Privatem, z.B. mit Smartphones, besser digitalisiert, als in ihrem beruflichen Umfeld.
Aber woran liegt dies?
Es gibt doch heute schon viele, hilfreiche Technologien. Passen diese nicht in die Welt der professionellen Pflege?
Und welche Besonderheiten muss man über die berufliche Pflege kennen, um innovative Technologie erfolgreich in die Arbeitsprozesse der Pflegefachkräfte zu integrieren?
Dieser Artikel soll darauf Antworten geben, sowie unser Verständnis von Pflege 4.0 aufzeigen und dies mit einigen Beispielen aus unserer Praxis veranschaulichen.

Berufliche Pflege – die (un-)bekannte, größte Berufsgruppe in Gesundheitswesen

pflegeBeim Thema Pflege 4.0 sollte man zunächst die dahinterstehende Berufsgruppe der professionellen Pflege genauer kennenlernen. Leider führt der Gedanke an Krankenschwestern und Krankenpfleger sehr oft zu durch die Medien geprägten Bildern der Pflege. Aber Schwester Stefanie, Nicola oder Pfleger Micha haben nur wenig mit der realen Welt der beruflichen Pflege zu tun. Die Aufgaben der Pflegefachkräfte sind viel komplexer und daher finden sich auch vielfältige Definitionen zu diesem Thema. Ein Beispiel wäre: „Professionelle Pflege fördert und erhält Gesundheit, beugt gesundheitlichen Schäden vor, und unterstützt Menschen in der Behandlung und im Umgang mit Auswirkungen von Krankheiten und deren Therapien.[1]“.

Noch interessanter ist jedoch die Sicht der Pflege- und Arbeitswissenschaftler auf die berufliche Pflege. Sie definieren die berufliche Pflege als eine im Kern hochgradige, situations- und kontextgebundene Beziehungsarbeit. Dabei sind für die meisten Pflegefachkräfte rationale Zahlen, Daten und Fakten eher zweitrangig. Die Pflegefachkräfte haben in den letzten Jahrhunderten ihre Expertise für pflegerische Entscheidungen und Lösungen, vielmehr aus der ganzheitlichen Betrachtung und Bewertung der jeweiligen, individuellen Pflegesituation verstanden. [Vgl. 2] Die Arbeit am Patienten ist das Wichtigste für die Pflegefachkräfte. Und dies erklärt auch die oft zitierte technologie-kritische Haltung der Pflege. Hat sie doch in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass ihre Präsenzzeit am Patienten immer mehr zu Gunsten einer zentralen Dokumentation am Computer im Stationszimmer abgenommen hat. Und diese Dokumentationsaufgaben waren zudem oft noch vermeintlich „pflegefremd“ für die Mediziner oder Abrechnung durchzuführen.

Das Selbstverständnis der Pflege als Arbeit am Patienten muss unbedingt als ein Faktor für einen erfolgreichen Einsatz von Technologien in der Pflege berücksichtigt werden.

Pflege 4.0 – Lieber satt und sauber oder gut dokumentiert? | Teil 2