Archives März 2017

Recruiting 4.0 – Wo die Pflege auf den Philippinen studiert [Teil 3]

Recruiting 4.0 – Wo die Pflege auf den Philippinen studiert [Teil 3]

Um 8:30 Uhr und bei „frischen“ 22 Grad starten wir unsere Tour nach Gezon, um dort die Far Eastern University | Nicanor Reyes Medical Foundation, nebst angeschlossener Klinik zu besuchen. Wir wollen die Qualität des Pflegestudiums und das Arbeitsumfeld der Pflegestudenten kennenlernen.

Bei dickem Verkehr fahren wir auf die „Kill-Road“, einer 10 spurigen Schnellstraße, auf. Zwischen den Autos bewegen sich Straßenverkäufer, begleitet von einem permanenten Hupkonzert der vielen Fahrzeuge.

An der Far Eastern University werden wir herzlich empfangen und starten unser Meeting im Administrationsgebäude. Der Medical Director , der COO und die Chief Nursing Officer stellen uns ihre Universität und das Studienkonzept vor. Schnell wird klar, die Studenten werden überwiegend für die Arbeit im Ausland ausgebildet.
Die Gastgeber sind sehr interessiert mehr über die deutschen Kliniken zu erfahren. Daher stellen Herr Prölß und Herr van Loo das UKE im Rahmen einer kleinen Präsentation vor.

Danach starten wir die Tour in die Klinik. Uns bietet sich ein ungewöhnliches Bild. Es gibt für zahlende Patienten modernere Ein-Bett-Zimmer und für arme Patienten mehrere große Räume in denen sich 8 Betten inklusive Patienten und deren Familien aufhalten. Immerhin erhalten sie hier für einen Minimalbetrag eine Behandlung nebst Mahlzeit. Diese Räume sind auch nicht klimatisiert und werden lediglich durch Ventilatoren „luftbewegt“. Auf der Kinderstation zeigt sich das gleiche Bild. Und mir wird wieder schlagartig bewusst, wie gut wir es mit unserer medizinischen Versorgung in Deutschland doch haben. Dort liegen Babys, Kinder und Jugendliche krank nebeneinander in offenen Räumen. Privatsphäre gibt es keine.

Die Medizintechnik in der Klinik ist größtenteils hochmodern und beeindruckt in der Vielfalt.

Die Universität befindet sich in einem modernen Neubau und erinnert an Colleges aus den USA. Eigentlich kein Wunder, da hier auf USA-Niveau ausgebildet werden.

Wir besuchen eine Hygiene-Vorlesung und kommen schnell ins Gespräch mit den Studenten. Alle freuen sich hier über die deutsche Stippvisite. Im Mikrobiologie-Labor hantieren die Studenten eifrig an ihren Mikroskopen und nebenan im Skill-Lab ist eine Mini-Klinik nachgestellt. Hier werden Situationen von der Aufnahme, über OP und Intensivstation nachgestellt und geübt.

Beeindruckend waren zudem die Computer-Räume. Hier finden sich ausreichend viele und moderne PCs, die von den Studenten zur Recherche genutzt werden. Auch Pflegeinformatik steht auf dem Lehrplan, allerdings sucht man in der Klinik ein Krankenhausinformationssystem oder gar Pflegesoftware vergebens. Ein lokales RIS in der Radiologie ist jedoch vorhanden und erleichtert dort die Arbeit.

Fast alle Studenten mit denen wir gesprochen haben, planen nach dem Studium ins Ausland zu gehen. Sie möchten dort arbeiten und ihre Familien, die dieses Studium finanzieren mussten, zukünftig finanziell unterstützen.

Das Studium und die Inhalte haben ein hohes Niveau. Eine europäische Klinik samt modernen Equipment wird für diese Kollegen dennoch eine neue, praktische Erfahrung werden.

Aber auch als deutsche Pflegefachleute könnte man hier noch einiges lernen. Hier wird auch ein Schwerpunkt auf die Ausbildung der Community Nurses gelegt. Diese in Deutschland mit den Gemeindeschwestern vergleichbaren Kollegen, sind in den Dörfern und Städten tätig. Oft sind sie die ersten, medizinischen Anlaufstellen und benötigen daher eine breitgefächerte Kompetenz.

Das Sprachniveau ist der Schlüssel für einen erfolgreichen Einsatz der ausländischen Kollegen. Daher schauen wir uns im Teil 4 eine ganz besondere Sprachschule in Gezon an.

Recruiting 4.0 – Welcome to Manila [Teil 2]

Recruiting 4.0 – Welcome to Manila [Teil 2]

16 Stunden Flug, 9000 Kilometer und eine schlaflose Nacht später, treffen wir am Airport Manila ein. Wir treffen dort Frau Mueller von der Start MediCare , sowie Rose und Enrico von der Vermittlungsagentur. Auf dem Weg zum Hotel wird schnell sichtbar, dass wir in einer anderen, ärmeren Welt angekommen sind. In der tropischen Hitze wimmelt es nur so vor Menschen, Autos und Mopeds.
Wir fahren vorbei an zerfallenen und notdürftig zusammengenagelten Behausungen. Das Leben spielt sich hier ganz klar auf der Straße ab. Dennoch sind wir sehr froh einen erfahrenen Driver zu haben, denn Verkehrsregeln werden hier allenfalls als Empfehlung gewertet. Man stimmt sich mit der Hupe des Autos ab.

Unser erstes Meeting findet in der Agentur GP statt. Dort werden Bewerber für verschiedenste Jobs im Ausland interviewt, getestet, medizinisch untersucht und alle Formalitäten erledigt. Der Transfer von philippinischen Personal in andere Länder ist sehr stark staatlich reguliert. Alle Beteiligten müssen registriert sein und genauen Regeln folgen.

Auf uns warten schon interessierte, ausgebildete Pflegefachleute, die aus verschiedenen Regionen der Philippinen angereist sind. Interessiert und begeistert hören sie der Präsentation von Herrn Prölß zu der Arbeit im UKE zu. In den Fragen und Reaktionen der Teilnehmer wird schnell klar- für viele ist es ein Traum, in einer solchen Klinik mit den entsprechenden sozialen und finanziellen Rahmen arbeiten zu können.
Aber ein Punkt wird hier auch immer wieder betont – nur mit dem Sprachniveau B2 wird dieser Traum erst erreichbar werden.

Ein Rundgang durch das Gebäude führt durch Klassenräume, Assessmentstationen und eine eigene kleine Klinik. Hier befindet sich das rechtliche und administrative Tor zur Arbeit in einem anderen Land.

Mit diesen neuen Eindrücken und völlig übermüdet, endet der offizielle Teil des ersten Tages im heißen Manila.

Am zweiten Tag steht ein Besuch der Far Eastern University und der zugehörigen Klinik auf dem Programm.
Was wir dort erlebt haben, werde ich im 3. Teil dieser Serie berichten…

Recruiting 4.0 – Pflegefachleute aus Fernost [Teil 1]

Recruiting 4.0 – Pflegefachleute aus Fernost [Teil 1]

Der Fachkräftemangel ist schon jetzt einer der größten Herausforderungen für die Pflege. Tausende von Pflegefachleuten werden bei uns in der Zukunft fehlen. Im Gegensatz dazu, gibt es nach Schätzungen der Deutschen Botschaft auf den Philippinen bis zu 300.000 super ausgebildete Pflegefachleute ohne Arbeit. Schon seit Jahren bilden die Philippinen im hohen Maße Fachkräfte für das Ausland aus. Die pflegerische Ausbildung ist dabei als Bachelor- und Masterstudium angelegt und orientiert sich stark an den US-Anforderungen. Die meisten Pflegefachleute gehen nach dem Studium in die USA, nach Arabien und Neuseeland. Nicht zuletzt durch politische Veränderungen und Initiativen, ist auch Deutschland für viele philippinische Pflegefachleute interessant geworden. Bei uns würden sie dringend gebraucht werden. Dabei denke ich jedoch auch an die vielen Recruiting-Aktionen der letzten Jahre in Ost- und Südeuropa mit eher mäßigem Erfolg. Aber auch an die schon einmal in den 70ern erfolgreichen Integrationen aus Asien und Indien.

Daher also stellte sich also die Frage, wie heute ein erfolgreiches, modernes Recruiting- und Einführungskonzept inklusive innovativer Technologien für ausländische Pflegefachleute aussehen muss, um zum einem eine hohe Akzeptanz und schnelle Integration in den deutschen Kliniken und Pflegeeinrichtungen zu erreichen und zum anderen die immigrierenden Fachexperten dauerhaft und nachhaltig dort zu halten.
Natürlich stellte sich auch die Frage, wie ethisch es ist, die Pflegeexperten in ihren Heimatländern abzuwerben und wie dort ihre Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen aussehen.

Ein Schlüssel zur erfolgreichen Integration ist die sichere Beherrschung der deutschen Sprache und des Fachvokabulars.  Dabei bin ich der Überzeugung, dass die Fachleute schon deutschsprechend aus ihren Heimatländern kommen sollten, um sich von vorherein der fachlichen Anpassung widmen zu können. Die meisten Programme jedoch sehen die Sprachqualifikation erst in Deutschland vor und erhöhen somit die Einarbeitungs- und Anerkennungszeit, sowie auch das Risiko das Sprachlevel und damit die Anerkennung überhaupt nicht zu erreichen.

Dabei hatte ich schon länger die Idee, mit moderner IT-Technologie eine solche Qualifizierung in den Herkunftsländern zu unterstützen. Umso begeisterter war ich dann, im letzten Jahr die innovative Agentur Start MediCare kennengelernt zu haben.  Diese qualifiziert in den Heimatländern die Pflegeexperten bis zum deutschen Sprachlevel B2, aber auch pflegefachlich werden die Kollegen auf das deutsche Gesundheitssystem trainiert. Schnell wurde die gemeinsame Idee geboren, durch den Einsatz unserer Pflege-Expertensoftware dieses Training zum einen zu unterstützen, aber auch das Training sehr gezielt auf die jeweilige Gesundheitseinrichtung in Deutschland abzustimmen, in welcher der Bewerber seine neue berufliche Zukunft starten möchte. So kann mit modernen Werkzeugen ein gezieltes, gegenseitiges Erwartungsmanagement unterstützt werden.

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf findet das Konzept sehr spannend. Jedoch wollte sich der Direktor für Patienten- und Pflegemanagement, Joachim Prölß, selbst ein Bild von der Situation der Bewerber in ihrem Heimatland machen.

Und so flogen wir in der letzten Woche nach Manila auf die Philippinen, um uns gemeinsam die Kliniken, Universitäten, Vermittlungsagentur und Sprachschule anzusehen und nicht zuletzt mit den interessierten Pflegefachleuten zu sprechen.

Über unsere Eindrücke in einer anderen Welt, werde ich im zweiten Teil berichten…

Heiko Mania

Expertengipfel „Pflege 4.0“ im UKE – Es (muss) wird sich vieles für die Pflege ändern

Expertengipfel „Pflege 4.0“ im UKE – Es (muss) wird sich vieles für die Pflege ändern

Der Festsaal des Hamburger Uniklinikum in Eppendorf öffnete am Donnerstag für eine besondere Veranstaltung seine Pforten. Das UKE, die Initiative Gesundheitswirtschaft und das NursIT Institute luden zum ersten Workshop „Pflege 4.0: Patientenorientierte Versorgung durch digitale Prozesse“. Und der Einladung folgten u.a. Experten aus der Pflege, den Krankenkassen und der Gesundheitswirtschaft.

Prof. Heinz Lohmann (Lohmann konzept) startete mit der Einführung in die Veranstaltung und den Einblick in die sich verändernden Prozesse im Gesundheitswesen.

 

Im anschließenden Impulsvortrag zeigte Joachim Prölß (Direktor für Patienten- und Pflegemanagement, Vorstand UKE) die Herausforderungen und Schmerzpunkte für die Pflege auf. Seine 7 Herausforderungen erstreckten sich vom Fachkräftemangel bis hin zur Hygiene.
Guido Burkhardt (Geschäftsführer, Fa. qhit) zeigte in seinem appellierenden Vortrag, wie die Pflege in anderen Ländern mit dem sich verändernden Arbeitsumfeld umgeht.

„Anerkennung kommt von Erkennen. Solange Pflegefachleute sich nicht als Fachleute zu erkennen geben und sich stets klein machen – solange werden sie auch keine echte Anerkennung erfahren!“

Im letzten Impulsvortrag ging Heiko Mania (Geschäftsführer, NursIT Institute) auf die Pflege 4.0 in einer Begriffsbestimmung und die Möglichkeiten durch ein Pflege-Expertensystem (wie CareIT Pro) ein.
„Technologie allein wird die Pflege nicht ausreichend unterstützen. Sie muss auf schlanke, strukturierte Prozesse basieren und von Technologie-kompetenten Anwendern bedient werden. In jedem Fall muss sie aber einen klaren Nutzen für den Patienten und die Pflegefachleute aufweisen!“

Im Anschluss starteten die drei InnovationsCafés mit den Themenbereichen Prozess, Technologie und Kompetenz. Die InnovationsCafés sind an die World Café Methode angelehnt. Dabei tauschen sich kleine Gruppen ca. 45 Minuten zu einem Thema aus und notieren die Ergebnisse direkt auf der Tischdecke. Danach wechselt die Gruppe und das Gespräch baut auf die Ergebnisse von der Tischdecke auf. Nach dem dritten Durchlauf trafen sich die Teilnehmer wieder im Plenum und die Ergebnisse der Cafés wurden zusammengefasst vorgestellt.
Der Austausch aller Gruppen war sehr intensiv und förderten eine Vielzahl wichtiger Ergebnisse. Diese sollen nun in einem Positionspapier erfasst und dann veröffentlicht werden.

Prof. Lohmann kündigte zum Abschluss an, dass dieser Workshop der Auftakt zu weiteren Veranstaltungen zur Pflege 4.0 war. Das Feedback der Teilnehmer war durchweg positiv und auf die Frage zur Bewertung der Veranstaltung, gab es reichlich „Daumen hoch“.

 


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