Durch Digitalisierung zur Care Intelligence im Pflegemanagement

Durch Digitalisierung zur Care Intelligence im Pflegemanagement

Durch Digitalisierung zur Care Intelligence im Pflegemanagement

Die Herausforderungen und Rahmenbedingungen für die berufliche Pflege werden zunehmend schwieriger. Und dies nicht nur für die Pflegefachkräfte die täglich mit den Patienten arbeiten, sondern auch für das Pflegemanagement. Viele Führungskräfte in der Pflege werden vom operativen Tagesgeschäft so stark eingebunden, dass das strategische Management nicht selten zu kurz kommt. Zudem steuern sie oft den »Pflege-Tanker« durch einen Nebel, da ihnen verlässliche und aktuelle Kennzahlen nicht vorliegen. Dazu kommen dann noch die aktuellen gesetzlichen Themen, wie die Umsetzung des Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG) und die Pflegepersonal-Untergrenzenverordnung (PpUGV), sowie der sich immer verstärkende Fachkräftemangel. Dies führt unter anderem dazu, dass Führungspositionen in der Pflege gar nicht so attraktiv wie in anderen Branchen angesehen werden und die Wechselbereitschaft bei Pflegeführungskräften, laut einer Studie von »SOLUTE recruiting« aus dem Jahr 2017, bei über 90 Prozent liegt.

Das wiederum bedeutet für die Gesundheitsein­richtungen nicht nur eine Attraktivität für die Gewinnung und Bindung von Pflegefachkräften
in der Patientenversorgung schaffen zu müssen, sondern auch für die Führungskräfte dieser Berufs­gruppe. Eine nicht unbedeutende Möglichkeit zur Attraktivitätssteigerung ist dabei die Digitalisierung in der Pflege. Dabei kommt gerade dem Pflegema­nagement, aufgrund der strategischen Bedeutung, eine entscheidende Schlüsselrolle bei der Definition der digitalen Vision für die Pflege und der Unter­stützung entsprechender Vorhaben zu. Dafür sind jedoch nicht nur grundlegende Marktkenntnisse über verfügbare Pflegetechnologien, sondern auch Grundlagen zu Digitalisierungsstrategien in der be­ruflichen Pflege vorteilhaft. Hier trennt sich häufig Wunsch und Realität. Dann nicht selten fehlt den Pflegemanagern die Affinität oder schlichtweg die Zeit, sich mit Digitalisierungsthemen in der Pflege zu beschäftigen. Eine Lösung können hier Stabs­stellen »Pflege­IT« in den Pflegedirektionen sein, digitale Themen, Visionen und Strategien vorzu­bereiten und durch die Entscheider autorisieren zu lassen. Denn die nutzbringenden Unterstützmög­lichkeiten gerade auch für das Pflegemanagement sind durch eine Digitalisierung in diesem Kontext vielfältig.

MIT ECHTZEITKENNZAHLEN STEUERN

Ein wesentlicher Nutzen für das Management durch eine Digitalisierung in der Pflege ist sicher die Bereitstellung von Echtzeitinformationen, sowie historische und prognostische Pflegedaten. Obwohl die pflegerische Dokumentation heute bis zu 60 Pro­zent der täglichen Arbeitszeit der Pflegefachkräfte ausmacht, ist der Informationsgewinn oft spärlich. Dies liegt zum einem an der noch überwiegend auf Papier durchgeführten Dokumentation, die eine Auswertung der Information sehr erschwert und zum anderen auch daran, dass diese Pflegedoku­mentation dann doch meist nicht lückenlos ist. Im Ergebnis fällt es den Pflegefachkräften und dem Pflegemanagement sehr schwer, das pflegerische Handeln in seinen vollständigen Umfang transpa­rent zu machen. Und wie der Pionier der modernen Managementlehre Peter Drucker schon feststellte: »Was man nicht messen kann, kann man nicht lenken.«. Daher bietet moderne Pflege­Expertensoft­ware, wie CareIT Pro, eine Fülle von pflegerischen Daten und Kennzahlen.

ABRECHNUNGSRELEANTE PFLEGEDATEN

Auch wenn bisher der größte Anteil pflegerischer Leistungen im Krankenhaus über Diagnosis Related Groups (DRG, diagnosebezogene Fallgruppierung) vergütet wurden, zeigte sich schon früh, dass diese Rechnung für bestimmte Pflegephänomene und ­interventionen nicht aufgeht. In der Folge wurden in der Vergangenheit entsprechende Möglichkeiten geschaffen, Leistungen für einen höheren Pflegeauf­wand durch Zusatzentgelte vergütet zu bekommen. Dies bedeutet aber auch einen sehr hohen Doku­mentationsaufwand für die Pflegefachkräfte. Pflege­ relevante ICD­-Nebendiagnosen, OPS­-Komplexkodes oder der Pflegekomplexmaßnahmen­-Score (PKMS) wurden fortan mit teils hohem manuellem Auf­wand erfasst und konnten nur bei Vollständigkeit abgerechnet werden. Dazu kommt meist noch die Dokumentationen der allgemeinen Pflegeleistungen über die historische PPR, LEP oder Hauskataloge.

Pflege­-Expertensysteme können all diese Kennzah­len aus einer digitalen Pflegeprozessdokumentation automatisch ableiten und dem Medizincontrolling zur Verfügung stellen. Das bedeutet für die Pflege­fachkräfte eine zeitsparende, digitale Pflegedoku­mentation durchführen zu können, die dann aber »unter der Haube« die lückenlosen Abrechnungs­informationen sicherstellt. Gerade bei der aktuell laufenden Ausgliederung der Pflegekosten aus den DRG nach dem Pflegepersonal­Stärkungsgesetz (PpSG) bietet dies eine Dokumentationskontinui­tät, da die Pflegefachkräfte wie gewohnt weiter ihre Prozessdokumentation durchführen können und die Software dann auch zukünftige, gesetzliche Daten im Hintergrund generiert und zur Abrech­nung bringt. Dadurch kann das Pflegemanagement frühzeitig und flexibel auf neue Anforderungen reagieren, ohne jeweils aufwendige Schulungsmaß­nahmen durchführen zu müssen.

DATEN FÜR DIE PFLEGEPERSONAL-STEUERUNG

Die seit 2019 verbindliche Pflegepersonal­-Unter­ grenzenverordnung (PpUGV) hat erhebliche Aus­ wirkungen auf das pflegerische Leistungsgeschehen und die Prozesse in den Krankenhäusern. Für die vier Fachbereiche in den die Personaluntergrenzen gesetzlich vorgeschrieben sind, ist ein neuer, nicht unerheblicher Dokumentationsaufwand zum Nach­weis der realen Besetzung die Folge. Die Verbindung aus modernen Personaleinatzsystemen und Pflege­-Expertensoftware, kann hier erheblich unterstützen. So kann die reale Besetzung der Stationen zu einem fixen Zeitpunkt automatisch erhoben und entsprechende Reports als Nachweis generiert werden. Dabei kennt das Personaleinsatzsystem die realen Personalressourcen, welche dann in der Pflegesoftware den entsprechenden Patientengruppen zu Beginn eines Dienstes zugeordnet werden. Dadurch werden auch kurzfristige Änderungen der Planung exakt protokolliert.

Des Weiteren kann das Pflege-Expertensystem auch sehr genau den Bedarf einer Station an Mitarbeiter unterschiedlichster Qualifikation auf Basis der Pflegepläne ermitteln und mit den geplanten bzw. verfügbaren Mitarbeitern in der Einsatzplanungssoftware abgleichen. So können schnell personelle Lücken oder auch temporäre Überbesetzungen transparent gemacht werden. So ist eine noch genauere, auf den realen Bedarfen abgestimmte Personal-Einsatzplanung möglich. Selbst Vorhersagen für einen zukünftigen Personalbedarf sind damit schnell für die pflegerischen Führungskräfte verfügbar.

DATEN FÜR EINE BELEGUNGSSTEUERUNG

Die Belegungssteuerung in vielen Kliniken folgt heute noch nach dem Prinzip, immer der Reihe nach den freien Betten der Stationen zu belegen. Dabei fehlt nicht selten ein Überblick, wo genau freie Betten verfügbar sind. So werden punktuelle, erfolgreiche Anrufe sogleich mit einer Belegung quittiert. Dieses Vorgehen berücksichtigt aber meist in keinster Weise ein »Zusammenpassen« der Mitpatienten oder gar die schon vorhandene Belastung einer Station mit pflegeaufwendigen Patienten. Damit werden diese Belegungen auch häufig sehr emotional verstanden und diskutiert. Moderne Pflege-Expertensystem können hier eine andere Patientenflusssteuerung unterstützen. Denn die Einschätzung mittels eines digitalen Pflege-Assessments am vorstationären Termin, von zuhause mittels App oder bei der Aufnahme erlaubt ein umfangreiches Bild über die Selbstpflegefähigkeiten und die Pflegeintensität eines einzelnen Patienten, einer Station oder gar eines ganzen Fachbereiches. Damit hat der Belegende nicht nur zum Zeitpunkt der Belegung die Pflegeintensität des neuen Patienten im Blick, sondern auch, wie belastet eine ausgewählte Station ist. Zudem kann die Software auch die aktuelle Belegungssituation mit freien, belegten und gesperrten Betten, sowie die aktuelle personelle Besetzung wiedergeben. Somit ist es nun in der Steuerung einfach, pflegeaufwändige Patienten so über die Stationen zu verteilen, das Belastungspitzen vermieden werden können oder das beispielsweise leichte Fälle nur auf bestimmten Low-Care-Stationen versorgt werden. Diese Art der Steuerung ist nicht nur effizienter und kostensparender, sondern auch für die Beteiligten rational nachvollziehbar.

QUALITÄTSDATEN

Wie gut ist denn die Pflege in unserer Einrichtung?
Wo führen pflegerelevante Risiken zu tatsächlichen Gesundheitsschädigungen?
Welche Stationen haben die besten Pflegeergebnisse und warum?

Nie war es so einfach Zahlen, Daten und Fakten zu solchen und weiteren Fragen in Echtzeit oder für bestimmte Zeiträume zu erhalten. Derartige Unterstützung bietet beispielsweise das Modul »Care Intelligence« der Software careIT pro und ermög- licht es dem Pflegemanagement so, schnell und zielgerichtet auf die Qualität der Pflege Einfluss zu nehmen. So lassen sich beispielsweise Prävalenzen und Inzidenzen von Decubiti oder Stürzen grafisch darstellen und erlauben eine rasche Analyse durch die Führungskräfte, ob diese vermeidbar gewesen wären. Aber auch wie gut die Dokumentation als solche geführt wird, ob Lücken bestehen oder ob ab- rechnungsrelevante Informationen fehlen, lässt sich einfach ersehen. Dadurch lassen sich auf objektiver Datenbasis pflegerische Prozesse bewerten und für den Patienten optimieren.

Es ist also sehr wichtig bei der Digitalisierung auch an entsprechende Angebote für das Pflegemanagement zu denken. Damit gibt man den Führungskräften gute Werkzeuge und Prozesskennzahlen an die Hand, mit denen eine wirklich pflegerische Steuerung erst möglich wird. Zumal die sich verändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen auch ein Pflegecontrolling in Ergänzung zum Medizincontrolling immer wichtiger werden lässt. Nicht zuletzt ist es aber auch eine Möglichkeit, die Attraktivität von Führungspositionen in der Pflege zu erhöhen. ◆

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