Echte Hürden oder eher Vorwände bei der Digitalisierung in der Pflege? – Gemeinsam statt einsam!

Echte Hürden oder eher Vorwände bei der Digitalisierung in der Pflege? – Gemeinsam statt einsam!

Echte Hürden oder eher Vorwände bei der Digitalisierung in der Pflege? – Gemeinsam statt einsam!

Der Fachkräftemangel in der Pflege ist mittlerweile auch Thema der Massenmedien. Kein Gesundheitskongress kommt mehr an diesem Thema vorbei und auch der mögliche Entlastungsfaktor – die Digitalisierung in der Pflege – bringt ganz neue „Experten“ in die Podiumsdiskussionen. Sieht man sich jedoch die Pflegerealität an, wird in über 70 % der deutschen Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, wie im Jahre 1880 von Florence Nightingale begründet, mit Stift und Papier gearbeitet. 

Aber warum findet man in der Pflege kaum digitale Unterstützung, obwohl die Pflegefachkräfte wegen der Fülle an Aufgaben der Administration, Kommunikation und Dokumentation, nur noch ein Viertel ihrer Arbeitszeit im direkten Patientenkontakt stehen? 

Die Antwort ist so einfach, wie bedauerlich. Es gibt Hürden und die meisten befinden sich in den Köpfen (Mindset) der Entscheider, jedoch auch der pflegerischen Anwender. 

So sind es häufig dieselben Einwände, warum die Pflege bei der Digitalisierung bisher wenig berücksichtigt wurde:

  • Wir haben doch ein Klinik – bzw. Heim-Informationssystem. Diese kosten uns soviel Geld und müssen das doch auch können.
  • Wir haben schlechte Erfahrungen mit Schnittstellen gemacht – die sind teuer und funktionieren häufig nicht.
  • Unsere Pflegefachkräfte sind zufrieden mit der Papierdokumentation und hätten ohnehin keine Zeit sich mit der Digitalisierung zu beschäftigen.
  • Wir haben die Infrastruktur nicht und überhaupt, die Digitalisierung ist teuer und wir könnten uns das nicht leisten.
  • Es gibt kaum innovative Lösungen für diesen Bereich und wer sagt denn, dass diese wirkliche Nutzen bringen?
  • Aus Gründen der hohen Datenschutz-Anforderungen wäre das bei uns unmöglich.


Laut der Studie Digitalisierungsbarometer (www.digitalisierungsbarometer.de) stimmen nur 38 % der deutschen Befragten (Ärzte, Pflege, Administration) der Aussage zu: „Es ist jede Technik willkommen, die den Pflegekräften die Arbeit erleichtert und den Patienten nützt“.

Diese Aussagen sind das Ergebnis von Zweifel, Unwissenheit und schlechten Erfahrungen. Es gilt hier, die wahren Potentiale aufzuzeigen und den Nutzen erlebbar zu machen. Denn der Einsatz moderner Technologien kann die Pflege zeitlich, fachlich und von Aufwänden entlasten, den Patienten miteinbeziehen und zudem noch Erlöse sichern. 

Interoperabilität ist heute technologisch keine Herausforderung mehr. Dies kann jeder von uns heute bei der Nutzung von Bluetooth oder USB im privaten Umfeld erleben. Im Gesundheitsmarkt machte man in der Vergangenheit „den Bock zum Gärtner“. Wenn die monolithischen Informationssystem-Hersteller eine hohe Interoperabilität ( gar Plug&Play ) zu anderen Systemen herstellen, würden sie die eigenen Geschäftsmodelle, wie beispielsweise hohe Einnahmen durch “individuelle“ Schnittstellenanpassungen, flankieren. Das sie damit ihre Produkte auch aufwerten können, wie die Apps im Smartphone-Bereich dies schon vormachen, dringt nur langsam in das Bewusstsein dieser Anbieter. Und die Gesundheitseinrichtungen haben es zudem viel zu lange diesen Anbietern überlassen, ob und mit welchen Technologieanbietern individuellen Schnittstellen realisiert werden. Mit HL7-FHIR beispielsweise, gibt es heute schon einen hoch-interoperablen Schnittstellen-Standard. Dieser es erlaubt es, Gesundheitstechnologie schnell, sicher und zuverlässig miteinander zu verbinden. Die Anwender haben damit wieder die Hoheit über die technische Integrationsentscheidung der gewünschten Systeme und können somit die passendsten Technologien für einen individuellen Arbeitsprozess selbst zusammenbringen.

Und dann folgt in der Regel das Argument, dass es in Deutschland kaum Systeme gibt, die so interoperabel FHIR „sprechen“ können.

Es sind auf dem deutschsprachigen Markt schon viele Gesundheits- und Pflegetechnologien mit einer „FHIR-Fähigkeit“ verfügbar. Diese sind häufig nicht so bekannt, können aber die pflegerische Arbeit extrem unterstützen und entlasten. Selbst fast alle großen Informationssystem-Hersteller arbeiten eher „still“ an der Umsetzung dieser Schnittstellen-Standards.

Daher hat sich im Oktober 2019 eine ganz besondere Allianz gegründet. Die „Smart Nursing Alliance (SNA)“ ist eine Kombination aus pflegerischem Think Tank und Tech-Hub, um die oben genannten Hürden zu entkräften und die Potentiale der Digitalisierung für alle sichtbar und erlebbar zu machen. Diese Alliance ist offen für alle Anbieter von Technologien und Dienstleistungen die pflegerelevant sind, aber auch für Organisationen und Verbände. Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen können sich ebenfalls an der „Smart Nursing Alliance“ beteiligen und so die Ergebnisse der Alliance fachlich mitgestalten und im eigenen Unternehmen testen.

Schon jetzt haben sich 25 Firmen und Organisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, der SNA angeschlossen. Alle verfolgen das Ziel, durch hohe Interoperabilität und der Umsetzung von digitalen Pflegeprozessen eine gemeinsame „Smart Ward“ – also eine intelligente Pflege- bzw. Klinikstation – anzubieten. Die Smart Ward ist dabei nicht nur reine Technologie, sondern auch der professionelle Change von Pflegefachprozessen und die Förderung der IT-Kompetenz der Nutzer. 

Die Smart Nursing Alliance ist ein Qualitätsversprechen für höchste Interoperabilität, die Entlastung der Pflegefachkräfte, einen attraktiven Pflege-Arbeitsplatz und Empowerment der Patienten. 

Alle Infos zu den Veranstaltungen und der Möglichkeit der Mitarbeit in der SNA finden Sie unter www.SmartNursingAlliance.com

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